Liechtensteinstraße 103/10, 1090 Wien
+43 680 5523742
office@oikoplus.com

Picture Superiority Effect – Die Überlegenheit des Visuellen

Picture Superiority Effect – Die Überlegenheit des Visuellen

Penibel genau dokumentiert Marcus Tullius Cicero um 100 vor Chr. sein Lebenswerk. In seiner Rechtsprechung, ebenso wie in seiner Prosa bemüht er dafür eine Sprache geschmückt mit Sprachbildern. Cicero ist überzeugt, dass die Kunst Bilder in den Köpfen der Zuhörer*innen hervorzurufen, erlernt und trainiert werden kann. Er weiß um die Macht des Visuellen und hinterlässt als einer der am öftesten zitierten römischen Staatsmänner zahlreiche Quellen die über Darstellungsmuster, Motive und Strategien der Selbstdarstellung in der Antike Aufschluss geben. Cicero wusste, dass Menschen sich besser an Bilder als an den Text alleine erinnerten: er erkennt den Picture Superiority Effect an.

Der Picture Superiority Effect bezeichnet ein Phänomen das beschreibt, dass Menschen sich an Bilder eher erinnern als an geschriebene oder gehörte Narrative. Bilder können dabei mental ebenso wie materiell oder auch beides sein. In Zahlen drückt das der Molkularbiologe und äußerst erfolgreiche Buchautor John J. Medina folgendermaßen aus:

„Based on research into the Picture Superiority Effect, when we read text alone, we are likely to remember only 10 percent of the information 3 days later. If that information is presented to us as text combined with a relevant image, we are likely to remember 65% percent of the information 3 days later“ (Medina, 2008).

Picture Superiority Effekt nach 3 Tagen, Grafik: oikoplus 2017.

Tatsächlich stärkt der Bildüberlegenheitseffekt nicht nur das Erinnerungspotential sondern erhöht – insbesondere zu Anbeginn der Rezeption – die Aufmerksamkeit. Dabei werden die Bilder selbst als weniger selektiv wahrgenommen da quasi-automatisch sensorisch erfasst. Durch die schnelleren Verarbeitung der visuellen Komponenten kommt dem Bild nebst der Vermittlung von Unmittelbarkeit außerdem eine steuernde Komponente hinzu, argumentieren Müller und Geise (vgl. 2015, 97).

Für die Kommunikation von Wissenschaft und Forschung birgt die bewusste Anwendung des PSE zahlreiche Chancen, die teils bereits herausgearbeitet wurden. Interessant ist allerdings, dass die: Verbindung von Text und Bild das Erinnerungsvermögen messbar beeinflusst und somit zur Grundlage für einen quantitativ dominierten Impact in der Forschung wird. Die Frage nach dem jeweilig besten Bild um einen PSE zu erzielen hängt von Ansinnen und Zielpublikum gleichermaßen ab und wird in progressiveren Methoden den Rezipient*innen überlassen. Ein einfaches Beispiel für die Motivwahl entsprechend Kommunikationsinhalte lautet folgendermaßen:

  1. Wer/ was? → Portrait
  2. Wie viel? → Diagram
  3. Wo? → Karte
  4. Wann? → Zeitleiste
  5. Wie? → Flowchart
  6. Warum? → Multipel variable Inhalte

In einer schnelllebigen Kommunikationsrealität, stellt sich zunehmend auch für die Wissenschaft die Frage welche Darstellung sie für sich, ihre Ergebnisse und ihre Forscher*innen, Lehrende und andere Angestellte anstrebt. Geschickt gemacht, können PR und Marketing aber eben auch ein metaphorischer Schreibstil durch materielle und mentale Bilder Eindruck hinterlassen. Aber aufgepasst: der PSE funktioniert nur, wenn Bild und Inhalt zusammen passen.

 

Medina, John; 2008. Brain Rules. Pear Press.

Müller, Marion; Geise, Stephanie; 2015. Grundlagen der Visuellen Kommunikation (2. Auflage). Utb Verlag.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.