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Horizon2020 – Fazit vor dem Brexit

Horizon2020 – Fazit vor dem Brexit

Zwei Jahre verbleiben Horizon2020 noch – mit oder ohne Briten. Dann wird der aktuell bestehende Mechanismus zur Förderung von Forschung und Innovation in Europa und auf der ganzen Welt durch das Nachfolgeprogramm Horizon Europe ersetzt. Nun, wo die Rahmenbedingungen für Horizon Europe bereits formuliert sind und sich die Beamten der EU den Details von Brexit und künftiger Förderperiode zugleich widmen, ist es an der Zeit Horizon2020 zu evaluieren und die Frage zu stellen, welche Folgen der Austritt der Briten aus der EU auf die Verteilung der Mittel zur europäischen Forschungsförderung en Brexit haben könnte. Etwa 1,2 Milliarden Euro – so schätzen britische Bildungsexperten – könnten ihnen jährlich fehlen. Nicht einberechnet: die oft exzellenten Studierenden und große Teile des universitären Mittelbaus, die vom alten Kontinent abgeworben, britische Eliteuniversitäten zu Innovationsmaschinen machen.

Isolation ist keine Option für Wissenschaft. Dennoch bietet ein möglicherweise ungeregelter Brexit auch Chancen für die Öffnung europäischer Wissenschaft gen Osteuropa. Ein Blick auf die Zahlen hilft. Im Rahmen von Horizon2020 wurden bisher in etwa 39 Milliarden Euro vergeben; weitere 30 Milliarden stehen für die Jahre 2019 und 2020 bereit. Gefördert wurden 104.427 Einrichtungen und Institute; 6,3 Milliarden Euro gingen nach Deutschland, etwa 5,8 Milliarden Euro nach Großbritannien. Frankreich, Spanien und Italien kommen als demographisch und wirtschaftlich bedeutende Mitgliedsstaaten der EU auf etwa 12 Milliarden Euro. Einen Ausreißer nach oben erlauben sich außerdem die Niederlande: als einziger weiterer EU Staat konnten die Kolleginnen und Kollegen aus Oranje die drei Milliarden Euro Grenze durchbrechen. Europäisches Schlusslicht ist Malta, noch hinter den Förderbeiträgen für die USA und Südafrika.

Besonders wenig Forschungsgelder werden in Osteuropa verteilt – Das liegt einerseits an den niedrigen Lohnniveaus, aber vor allem auch daran, dass Kolleginnen und Kollegen aus ehemaligen sowjetischen und sozialistischen Staatsgefügen besonders selten die Verantwortung als Projektkoordinatorinnen und Koordinatoren übernehmen. Ein schneller Vergleich: Während etwa 3.771 Forschungsprojekte von der Insel aus koordiniert wurden, kommen Litauen (54), Lettland (37), Kroatien (30), Bulgarien (37), Slowakei (88), Estland (46), Rumänien (110), Slowenien (114), Ungarn (144), Tschechische Republik (114) und Polen (206) gemeinsam auf gerade Mal 980 koordinierte Horizon2020 Forschungsprojekte; nur ein Viertel der Anzahl der von Briten koordinierten Forschungsprojekte! Isolation in der Wissensproduktion findet schon bisher und auf dem Kontinent statt – nicht auf der Insel; und genau hier liegt auch die Chance für eine europäische Wissenschaft.

Erste Vorschläge für das Budget für Horizon Europe proklamieren eine Steigerung der Mittel für Innovation und Forschung unabhängig vom Austritt oder Verbleib der Briten in der Union. Carlos Moedas, EU Kommissar für Wissenschaft und Forschung kolportierte im Dezember des vergangenen Jahres eine Summe von 100 bis 120 Milliarden Euro für die Forschungsförderung in der kommenden, 7-jährigen Periode. Ob die Regierungs- und Finanzchefs der europäischen Mitgliedsstaaten allerdings bereit sind, so viel Zaster in die Hand zu nehmen, wir sich noch weisen. Selbiges gilt für die Fragen, ob und in welcher Form osteuropäische Forschungseinrichtungen von einem möglichen Ausscheiden der britischen Universitäten profitieren können. Jedenfalls gibt es mit der selbst gewählten Isolation eines Landes auch die Möglichkeit zur vertieften Integration und Zusammenarbeit mit einer gesamten Region, die in der Forschungsförderung massiv vernachlässigt wurde.

*Die Zahlen aus diesem Artikel stammen aus dem Webgate der Europäischen Kommission zu Horizon 2020. Anmeldung unter: https://webgate.ec.europa.eu/dashboard/sense/app/93297a69-09fd-4ef5-889f-b83c4e21d33e/sheet/PbZJnb/state/analysis?

 

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